Bewertung: Flags of our Fathers
13. Mai 2008 – 14:02Inhaltsangabe
Während sich in Europa der 2. Weltkrieg dem Ende zuneigt, tobt im Pazifik eine erbitterte Schlacht um eine Insel: Iwo Jima. Auf dieser Insel entstand eines der bekanntesten Fotos des zweiten Weltkriegs. „Flags of our Fathers“ erzählt die Geschichte der Flaggenaufsteller im Kriegseinsatz sowie den Einsatz an der Heimatfront, an der sie für Kriegsanleihen werben sollen.
Kritik
Insgesamt ist der Film ein Wechsel zwischen dem Kriegseinsatz auf der Insel und einer PR-Tour durch die Staaten mit John “Doc” Bradley (Ryan Phillippe), Rene Gagnon (Jesse Bradford) und Ira Hayes (Adam Beach). Diese drei sind die einzigen Überlebenden von den sechs Flaggenaufstellern. Im Laufe des Films wird ebenfalls dargestellt wie die anderen zu Tode gekommen sind und weshalb sich die Überlebenden eher sträuben als Helden angesehen zu werden. Dies trifft vor allem auf den indianischstämmigen Ira Hayes zu, der sich zusehends im Alkohol verliert und daraufhin wieder von der PR-Tour ausgeschlossen wird. Hayes wird zwar als Held in Amerika gebraucht, aber er ist indianischstämmig und dies bekommt er immer wieder durch abwertende Kommentare zu spüren.
Der Film wird aus der Sichtweise von John “Doc” Bradley erzählt. Ihm gebührt auch die erste Szene im Film, in der er im Gefecht suchend über Iwo Jima läuft. Wenige Szenen weiter glaubt man wieder an einem Gefecht teilzunehmen, doch dieses Mal ist es das Hissen der amerikanischen Flagge - in einem Stadion während der PR-Tour. Regisseur Clint Eastwood verwendet dieses Mittel häufig, um so den Eindruck zu verstärken, dass die drei Soldaten sich auch während der PR-Tour in den USA nicht von den Kriegseindrücken auf Iwo Jima losreißen können.
Handwerklich ist der Film klasse gemacht. Die Landungsszenen der Marines erinnern wieder unweigerlich an „Der Soldat James Ryan“, mit der verwackelten Kamera, die einem mitten auf das Schlachtfeld führt, dabei aber nicht an einem Soldaten hängt, sondern verschiedene Schauplätze während des Kampfes zeigt. Insgesamt machen die Bildaufnahmen während den Einsätzen und Pausen einen sehr guten Eindruck.
Die Brutalität während des Films ist nicht übertrieben und ständig zu sehen, sondern gezielt und wirkt daher nicht abstumpfend, sondern immer wieder schockierend. Ich wundere mich allerdings über die FSK-12-Freigabe. Für mein Verständnis muss ein 12-jähriges Kind keine abgetrennten Köpfe, Hände und aufgeplatzte Bauchdecken sehen…
Zum Schluss des Films werden kurz die Lebensgeschichten der drei Hauptcharaktere nach der Kriegszeit behandelt, womit der Film ein „rundes Ende” bekommt.
Der Film behandelt ausschließlich die Sichtweise der Amerikaner, weshalb man sich unbedingt auch „Letters from Iwo Jima” anschauen sollte, der die Schlacht aus der Sicht der Japaner schildert. In dem Film werden immer wieder Szenen aus „Flags of our Fathers” aufgegriffen, dieses mal aus der Sicht der Japaner und ihrem verzweifelten Kampf gegen eine Übermacht - 100.000 amerikanische gegen 21.000 japanische Soldaten.
Ein weiterer Film, der die Kriegsteilnahme von Indianern im 2. Weltkrieg behandelt, ist „Windtalkers” mit Nicolas Cage und wiederum Adam Beach (der auch wirklich Indianer ist).
Bewertung: 8/10
Spielfilmlänge: 126 Minuten
Erscheinungsjahr: 2006
Screenshots aus “Flags of our Fathers”: © DreamWorks SKG, Warner Bros. Pictures, Amblin Entertainment, Malpaso Productions
Tags: 2. Weltkrieg, Bewertung, Drama, Iwo Jima, Japan, Krieg, USA








3 Responses to “Bewertung: Flags of our Fathers”
Schöne Review, der ich mich nur anschließen kann, ogleich ich “Letters from Iwo Jima” noch ein Stück ausgefeilter und daramaturgisch perfekter finde.
Hab dich übrigens mal in meinen Blogroll aufgenommen…
By fincher on Mai 13, 2008
Hi fincher,
zu “Letters from Iwo Jima” werde ich in nächster Zeit auch noch ein Review schreiben. Ist schon zu lange her, als dass ich das Review ausm Kopf schreiben könnte, aber er kam mir auch besser vor.
By joerg on Mai 13, 2008
“Regisseur Clint Eastwood verwendet dieses Mittel häufig, um so den Eindruck zu verstärken, dass die drei Soldaten sich auch während der PR-Tour in den USA nicht von den Kriegseindrücken auf Iwo Jima losreißen können.”
Das ist Richtig. Zum einen wird natürlich so der psyche Stress verdeutlicht, dem die Soldaten ausgesetzt sind. Zum anderen zeigen diese Zwischensequenzen aber auch das gesamte Asumaß der Instrumentalisierung der Soldaten durch den Staat, und die damit verbundene Absurdität der gesamten “Werbe-Tour”.
Eastwoods Ansatz einer DER amerikanischen Mythen zu demontieren - mämlich das Hissen der Flagge auf Iwo Jima - ist somit ein bemerkenswerter Ansatz dieses Antikriegfilms. Kommerzielles Scheitern in den USA natürlich inklusive
By C.H. on Mai 16, 2008